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“Baudolino”  Umberto Eco

 

Inhalt
Man schreibt das Jahr 1204. Konstantinopel brennt lichterloh. In mitten des Untergangs erzählt uns einer seine unglaubliche Lebensgeschichte. “Was immer ich sage, ist wahr, weil ich es gesagt habe!” behauptet dieser mit allen Wassern gewaschene Schelm und Abenteurer. Sein Name: Baudolino

Zeit der Kreuzzüge.  Baudolino begegnet als 13jähriger Knabe Kaiser Barbarossa, der Gefallen an ihm findet und ihn adoptiert. Am Hof nimmt sich der naseweise Bauernsohn dann vor allem einen Rat seines Lehrmeisters Bischof Otto von Freising zu Herzen: “Willst du ein Mann der Schrift werden, so mußt du lügen und Geschichten erfinden können, sonst wird deine Historia langweilig.” Gesagt, getan? Was ist nun wahr und was gelogen von dem, was Baudolino erzählt? Den Kopf voller Flausen, Phantasien und Lügen, lenken seine irrwitzigen Ideen ganz neben bei den Lauf der Weltgeschichte. Von den Liebesbriefen an die Kaiserin, den undurchsichtigen Machenschaften bei der Belagerung Alessandrias und dem rätselhaften Tod Barbarossa`s gar nicht zu reden...

"Eco verknüpft historische Fakten des 12. Jahrhunderts, Fabelwesen, saftige Liebesromanzen, aktuelle Politik und Glaubensfragen zu einem sprühenden Feuerwerk."

Welt am Sonntag

“Eco´s schönster und liebenswertester Roman. Ein Schelmenroman, wie man ihn sich praller, einfallsreicher und kurzweiliger nicht wünschen kann. Unbedingt lesenswert.”

 Thomas Meyerhöfer in Bayern 2

“Kalte Machtpolitik, saftige Erotik, pralle Lebensfreude: Ein prächtiger Lesestoff.”

Stephan Sattler im “Focus”

 

Nicht der deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa, sondern ein englischer König, hatte mir vor gut zwei Jahren in meinem Lieblingsforum von Baudolino, dem  König der Lügner und Fälscher vorgeschwärmt. Nun, ich bin kein guter Lügner und gebe zu, es war kein richtiger König, sondern einfach ein netter Kerl, der sich HenryVIII nannte und leidenschaftlich Umberto Eco liest.

Der Zufall hat mich vor kurzem wieder daran erinnert, wie klasse dieser Roman ist und ich lasse mich manchmal sehr gerne vom Zufall inspirieren!

Eco´s Baudolino gibt es auch als Hörbuch, es muss ein ganz besonderer Hörgenuss sein.

Baudolino ist ein Hochstapler, ein Schelm, ein schlitzohriger Aufschneider, aber wenn man mehr über das Mittelalter im 12. Jahrhundert erfahren will, als in den Schulbüchern steht, ist Baudolino ein muss. Nie war Geschichte unterhaltsamer. Dass Baudolino`s Berichte von seinen ruhmreichen Tricks, Intrigen und Lügen mit Vorsicht zu genießen sind, ist klar -- ein Lügner lügt auch dann, wenn er von seinen Lügen erzählt. Aber es kommt nicht immer darauf an, die Wahrheit zu erzählen. Wenn man davon überzeugt ist, dass etwas passiert sein kann, dass etwas existieren kann, dann sollte man davon berichten, als wäre es wahr.

Während seines Studiums in Paris erdichtet Baudolino eine Flut von wunderschönen Briefen, die er nie abschickt und - im Eifer - sogar noch durch Antworten ergänzt......

 

Leseprobe:

"Der Nordstern scheint auf den Pol, und der Mond erhellt die Nacht. Mir aber dient als Führer ein einziger Himmelskörper, und wenn nach dem Weichen der Dunkelheit mein Stern im Osten aufgeht, will mein Geist nichts von des Schmerzes Düsternis wissen. Du bist mein Licht bringender Stern, der die Nacht vertreibt, denn ohne dich ist der Tag selbst finstere Nacht, mit dir jedoch ist die Nacht selbst hellichter Tag."
Und weiter: "Wenn es mich hungert, sättigst du mich, wenn es mich dürstet, gibst du mir zu trinken. Doch was sage ich, du speisest mich, aber sättigst mich nicht. Denn nie bin ich deiner satt geworden, nie werde ich genug von dir haben …" Und abermals: "So groß ist deine Süße, so herrlich deine Beständigkeit, so unbeschreiblich der Ton deiner Stimme, so wunderbar deine Schönheit und die sie krönende Anmut, daß es eine grobe Unhöflichkeit wäre, auch nur zu versuchen, sie in Worten auszudrücken. Möge das Feuer, das uns verzehrt, immerfort wachsen und neue Nahrung finden und, je mehr davon verborgen bleibt, desto mehr um sich greifen und die Neidischen wie die Eifersüchtigen täuschen, so daß es stets zweifelhaft bleibt, wer von uns beiden mehr liebt, und sich zwischen uns unablässig ein wunderschöner Wettstreit abspielt, in dem beide siegen …"
Keine Frage, es waren schöne Briefe, und wenn er sie am Ende noch einmal durchlas, zitterte Baudolino und verliebte sich immer mehr in eine Kreatur, die ihm so glühende Worte ein zugeben vermochte. Weshalb er es nach einer Weile nicht mehr aushielt, nicht zu wissen, wie Beatrix auf diese sanfte Gewalt reagiert hätte, und beschloß, sie eine Antwort geben zu lassen. Also schrieb er, wobei er ihre Schrift zu imitieren versuchte:
"In der Liebe, die mir aus dem innersten Herzen quillt und duftender aufsteigt als jedes andere Aroma, wünscht die, die dein ist mit Leib und Seele, den dürstenden Blumen deiner Jugend die Frische ewigen Glückes … Dir, meine freudige Hoffnung, biete ich meinen Glauben an, und mit aller Ergebenheit auch mich selbst, solange ich lebe …"
"O bleib mir gewogen", antwortete er sogleich, "denn in dir liegt mein Wohlergehen beschlossen, in dir liegt meine Hoffnung und meine Ruhe. Ich bin morgens noch kaum richtig aufgewacht, schon hat meine Seele dich wiedergefunden, wohl behütet in ihrem eigenen Innern …" Darauf sie hemmungslos: "Seit jenem Augenblick, da wir uns zum ersten Mal sahen, habe ich nur dich bevorzugt, und dich bevorzugend habe ich dich gewollt, dich wollend habe ich dich gesucht, dich suchend habe ich dich gefunden, dich findend habe ich dich geliebt, dich liebend habe ich dich begehrt, dich begehrend habe ich dich in meinem Herzen über alles gestellt … und habe von deinem Honig gekostet … Ich grüße dich, mein Herz, mein Alles, meine einzige Freude
…"