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“Das sterbende Tier“ Philipp Roth
Inhalt
David Kepesh hat sich in seinem Leben eingerichtet. Mittlerweile auch nicht mehr der Jüngste, trifft er durch seine Lehrveranstaltungen immer noch auf genügend hinreißende junge Frauen, die sich durch seine Prominenz - aber natürlich auch seine Intelligenz beeindrucken lassen und mit ihm eine lose Beziehung eingehen. Eine feste wünscht er ohnehin nicht mehr. Schließlich hat er bereits eine Scheidung hinter sich, hat einen Sohn, der die Trennung bis heute, da er selbst verheiratet ist und Kinder hat, nicht wirklich verkraftet hat - nein, das ist es wirklich nicht, was David vorschwebt. Auch das ganze Geschwätz, bevor man miteinander ins Bett ging, war für ihn verschwendete Zeit; zwar ist ihm klar, dass die Frauen ihm nur mitteilen wollten, wer sie eigentlich waren, was ihr Wesen ausmachte - doch was interessierte ihn das, wenn er sich doch über ihre Titten, ihren wundervollen Körper mit ihnen unterhalten wollte! Bis er auf Consuela trifft. Die junge Kubanerin lässt alles mit sich geschehen, genießt die Anbetung ihres Körpers - und bleibt doch seltsam unabhängig. Ihr wird er hörig, sie würde er am liebsten rund um die Uhr bewachen - und scheitert doch an der simplen Aufgabe, zur Feier ihres Studienabschlusses zu erscheinen. Zwar hatte er auch in der Zeit mit Consuela andere Beziehungen, und doch - als sie ihn verlässt, bricht seine Welt zusammen. Er braucht Jahre, um dem Verlangen zu widerstehen, sie wieder aufzuspüren - eine Zeit, in der er gezwungenermaßen alle alten Werte in Frage stellt...
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Pressestimmen: "Roth hat eine der schönsten Frauenfiguren der neueren amerikanischen Literatur geschaffen. (...) Er ist einer der größten Schriftsteller unserer Zeit." Marcel Reich-Ranicki, Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Keineswegs nur eine Liebes- und Leidensgeschichte von beachtlichem Format, sondern auch ein analytischer Blick auf die Geschichte der sexuellen Revolution seit den sechziger Jahren. (...) Eine der wirklich atemberaubenden Schlußpassagen der neueren Literatur." Thomas David, Neue Zürcher Zeitung
"Ein kurzes, aufwühlendes Meisterstück." Stephan Sattler, Focus, 10.02.03
"Man sagt, dass sich ein großer Autor daran erweist, wie er Szenen von Liebe und Tod, von Sex und vom Sterben schreiben kann. Philip Roth kann beides." Hellmuth Karasek, Der Tagesspiegel, 19.03.03
"... großartig und erregend. (...) Vielleicht macht ihn das zum größten im Moment schreibenden Schriftsteller." Peter Michalzik, Frankfurter Rundschau, 19.03.03
“Das sterbende Tier“ ist ein Roman, in dem ein Mann seine intimsten Seelenregungen preisgibt und über sexuelle Lust, Leidenschaft und Besessenheit, verzehrende Eifersucht, die Hinfälligkeit des Körpers und über das Altern auf eine derart offene Art und Weise spricht, die ich bis dahin noch nicht kennen gelernt hatte, jedenfalls nicht in der Literatur. Man fühlt sich wie ein stiller Zuhörer, wenn Kepesh aus seinem Leben erzählt. Allen Lobeshymnen zu Trotz, ich kann nicht sagen, dass mich der Roman sofort auf anhieb gefesselt hat, denn die Ansichten und Erlebnisse eines sexistischen altersgeilen Mann´s haben mich doch erst eher abgestoßen, als fasziniert. Aber ich bin froh, dass ich das Buch nicht zur Seite gelegt habe, denn so hätte ich nie erfahren, wie Sex in Liebe umschlagen kann und Liebe in Mitleid.
Leseprobe
“Ein junger Mann wird sie finden und sie mir wegnehmen. Mir, der ich ihre Sinne geweckt habe, der ich ihr Format gegeben habe, der ich der Katalysator ihrer Emanzipation war und sie für ihn vorbereitet habe. Woher weiß ich, daß ein junger Mann sie mir wegnehmen wird? Weil ich einst der junge Mann war, der es getan hätte.“
“Wir sprechen hier vom Chaos des Eros, von der radikalen Destabilisierung, die das Wesen der sexuellen Erregung ist. Beim Sex ist man wieder im Urwald. Man ist wieder im Sumpf. Beim Sex geht es darum, daß die Dominanz wechselt, es geht um fortwährendes Ungleichgewicht.“
“Wie soll man, wenn man keusch und ohne Sex lebt, mit den Niederlagen, den Kompromissen, den Frustationen fertig werden? Indem man mehr Geld verdient, möglichst viel Geld? Indem man möglichst viele Kinder in die Welt setzt? Das hilft, aber es ist kein Ersatz für das andere. Denn das andere ist im Körper verankert...denn nur beim vögeln übt man an allem, was einem verhaßt ist und was einen zu Boden drückt, eine reine, wenn auch nur momentane Vergeltung. Nur dann ist man voll man selbst. Die Unsittlichkeit ist nicht im Sex, sondern in allem anderen. Sex ist nicht bloß Reibung und seichtes Vergnügen. Mit Sex übt man auch Vergeltung am Tod...ja, auch die Macht des Sex hat ihre Grenzen. Ich weiß sehr wohl, wie begrenzt sie ist. Aber sagen sie mir: Welche Macht ist größer?“
“Niemand will sich dem Alter stellen müssen, bevor er es muß“
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