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“Den das ist das schreckliche an der Liebe” Nicole Müller

Inhalt:

Eine Liebesgeschichte, so leidenschaftlich, heftig und spontan und die Geschichte einer Trennung.

Nicole Müller erzählt von der Liebe zu einer anderen Frau. Und ihre Geschichte ist bei aller Unmittelbarkeit durchaus ironisch gebrochen. Ein Buch, das die Gefühle anspricht, mit der unverbrauchten Kraft und Frische eines Erstlingsromans. Doch unterschwellig und subtil erzählt dieses Mosaik aus 498 Eintragungen, deren Reihenfolge nur vermeintlich zufällig ist, noch von einem anderen Thema: von der Geburt einer Schriftstellerin, von den Umständen, unter denen Literatur entsteht.

 

Dieses Buch habe ich regelrecht verschlungen. Obwohl das Ende der Geschichte ja klar war, fühlte und hoffte ich vom ersten bis zum letzten Eintrag mit der Autorin. Wer hatte nicht schon mal irgendwie, irgendwann Liebeskummer und warum eigentlich, müssen Frauen immer so emotional reagieren?!

Interessant fand ich die Erzählweise, eigentlich sollte man nur indirekt berüht sein, aber ich hatte das Gefühl, als ließt man in einem Tagebuch, welches man zufällig gefunden, einen Blick riskiert und dann nicht mehr aufhören kann zu lesen - Tag für Tag ... Eintrag für Eintrag, einen Blick in die Seele.

 “ Denn im Scheitern liegt auch viel Gelingen!“ dieser Satz hat sich mir besonders eingeprägt und bestätigt mich darin, dass ich, würde ich noch mal leben, die selben “Fehler“ genauso mache, nur schon früher!

Und noch eine Formulierung fand ich total spannend: “Selbstmord ist keine Option, weil man dabei sein Leben nicht riskiert.“

Leseprobe

“Und sagen möchte ich, daß sie in mir ist. Und daß ich, wie diese Figur in einer Geschichte von Clarice Lispector, um Haß bete, um den erlösenden Haß. Das ich sie hassen könnte für das Verbrechen, das sie an mir begangen hat und das darin besteht, daß sie mich nicht mehr liebt, aber natürlich hasse ich sie nicht. Jeden Morgen wache ich auf, und mein erster Gedanken gilt ihr, und jeden Abend, wenn ich mich ins Bett lege und mich zum Schlafen anschicke, dann gilt mein letzter Gedanke  ihr. Sie ist in mir, ich kann nichts dagegen tun, nur gerade die Zeit vorübergehen lassen und hoffen, es werde nachlassen. Denn das ist das Schreckliche an der Liebe, daß der Geliebte oder die Geliebte in uns ist, einen Teil von uns ausmacht, den man nicht einfach ausreißen kann, ohne sich selbst zu verleugnen. Und so hat sie mich verlassen und nimmt einen Teil von mir mit.“

 

“Schreiben heißt, solange auf die Dinge einzuschlagen, bis sie ihr Innerstes preisgeben.“

 

“Der Schmerz läßt nicht nach. In der Buchhandlung des Herzens bleibt er links, in der Kolonne der Ausgaben, stehen. Das einzige, was sich verändert in der Buchhandlung des Herzens, ist die Kolonne rechts. Die Kolonne der Einnahmen. Die Kolonne der Freuden, die aus tausend Nichtigkeiten besteht, was am Ende dann doch eine hübsche Summe ergibt. Ich will ja nicht einstimmen in den platten, dümmlichen, heuchlerischen Kanon, der besagt, daß das Leben herrlich sei, denn es ist eben nicht herrlich, das Leben, sondern bestenfalls herrlich und schrecklich zugleich, und die Frage, warum wir es aushalten, das Leben, ist weiterhin ungeklärt. Ganz egal, ob wir aus Feigheit, aus Un-mut oder wirklich aus purer Lust am Leben aushalten, wir sind nun einmal da.“