Lese-Ecke

“Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet“ Anna Gavalda

Inhalt

Eine junge Frau, deren hoffnungsvoller Flirt durch ein Handy zerstört wird, und ein junger Mann, der beim Liebesspiel im entscheidenden Moment nur daran denken kann, wie er sein Ikea-Klappbett aufkriegt. Ein älterer Herr, der nicht mehr fremdgeht, weil die Alimente jetzt so teuer würden, und ein junger Schnösel, der sich heimlich Papas Jaguar leiht und darin statt einer weiblichen Eroberung unversehens ein rasendes Wildschwein transportiert. Eine Schwangere, die den Tod ihres ungeborenen Kindes verschweigt, um ihrer Kusine die Hochzeit nicht zu verderben, und ein ehemaliges Liebespaar, das sich noch einmal wieder sieht, als alles zu spät ist. Anna Gavalda ist nichts menschliches fremd, am wenigsten die Liebe. Sie beherrscht das komische wie das ernste Register und trifft dabei stets den richtigen Ton - dass Sie beim Lesen das Gefühl haben, der Autor sei Ihr Freund", schrieb die französische Presse über Anna Gavalda. Ihre Chronik des modernen Alltags ist erheiternd und erbarmungslos zugleich: unser Leben, auf den Punkt gebracht.

 

Pressestimmen

"Die kurzen Geschichten, oft nur Skizzen, haben eines gemeinsam: Sie scheinen nur zu plaudern, sind dem Leben nachgeschrieben (und also besonders kunstvoll), dabei aber nicht berechenbar, überraschend durch eine fast schon dreiste Vermischung der Stilebenen und Perspektiven - selbst die sonst so unerträgliche Ansprache des Lesers gelingt hier wie nebenbei."
Volker Hage, Der Spiegel, 13.05.02

"...Momentaufnahmen des modernen Gefühlsalltags. Mal heiter, mal bissig, oft mit überraschendem Ausgang."
Elle, Mai/02

"Insofern sind diese Lebensszenen eine Art Reparationsliteratur, die eine Poesie des Dazwischen entfaltet: hingebungsvoll und erbarmungslos, kalkuliert und präzis."
Frankfurter Rundschau, 06/02

In virtuosem Wechsel erzählt Gavalda also bald Moritaten, bald Zeitgeist-Sketche à la Bretécher, erzählt aber auch, im Stil vielstrophig trauriger Chanson von über Jahre oder Jahrzehnte verschleppte Liebesgeschichten."
Reinhard Baumgart, Die Zeit

"Voilà, hier ist die neue Stimme der französischen Literatur: Anna Gavalda heißt sie und sie schreibt so leicht und lakonisch, romantisch- zart und bestürzend direkt, dass einem fast schwindlig wird.... Ein mitreißendes Buch, verführerisch wie eine Amour fou." Marie-Claire, März 02

"...heitere, schmerzende, schmissige Alltagsskizzen der Liebe.(...) Gavalda schreibt humorvoll und mit Drive, die Dialoge sind schmissig; von Ina Kronenberger eigenwillig, aber nah an der gesprochenen Sprache ins Deutsche übersetzt.(...) Anna Gavalda zeigt Sinn für das Menschliche, dabei ist sie nie zynisch, auch wo sie von menschlichen Unzulänglichkeiten schreibt."
Birgit Schmid, Neue Luzerner Zeitung, 5.3.02

"Anna Gavaldas Geschichten sind zarte Verführungen."
Pia Reinacher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.03.2002

"Die ganze wohlsortierte Bandbreite unserer Gemütszustände ist in diesen Geschichten abgedeckt. (...) Alles sehr liebenswürdig und (...) pfiffig. Oder auch: Zart und verschmitzt."
Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung, 9./10.03.2202

"Vielleicht ist es besser, solo zu bleiben, möchte man entgegnen, wenn man diese frechen, pointierten, illusionslosen Storys gelesen hat. Denn wie soll man noch an große Gefühle glauben, wenn der Beginn einer Liebe ihr Ende immer schon in sich trägt?"
Brigitte
 

Diese Buch steht schon eine Weile bei mir im Bücherregal, ich habe es geschenkt bekommen, und trotz des Klappentextes “...wurde in Frankreich zum Kultbuch und stand monatelang auf allen Bestsellerlisten...” hatte ich lange Zeit, nicht wirklich Lust, es zu lesen. Ich mag Kurgeschichten nicht besonders und wenn ich an französische Literatur denke, kommt mir immer “intellektuell abgefahren” in den Sinn.

Aber irgendwann siegte dann doch die Neugierde bei mir und ich muss sagen, ich bin wirklich froh, über diese unmögliche Leidenschaft. Die zwölf kurzen Geschichten haben es in sich, wenn man einmal mit dem Lesen angefangen hat, wird man süchtig nach der Nächsten. Vieles kam mir verdammt bekannt vor, ich war mitgenommen und vor allem hingerissen von dem erzählerischen Charme, dem Witz, aber auch Liebenswürdigkeit der Formulierlust. Anna Gavalda “...nimmt alltägliche Personen, denen etwas Gutes oder Schlimmes zustößt, eher etwas Schlimmes, weil das häufiger vorkommt und poetischer ist. Sie verwendet so wenig Worte wie möglich, denn das vor allem darf man nicht in ein Buch hineintun: Worte. Aber es gibt alles andere: Laute, Farben, Gerüche...”
 

Leseprobe

Da taucht das einzig wirklich wichtige Problem auf: Was soll ich anziehen?

Stil zukünftige Autorin und ohne jede Eleganz, denn das wahre Leben spielt anderswo. Lieben sie mich nicht wegen meiner vollen Brüste, lieben sie mich wegen meines geistigen Gehalts. Stil zukünftige Legehenne für Bestseller, mit Dauerwelle, denn das wahre Leben ist hier. Lieben sie mich nicht wegen meines Talents, lieben sie mich wegen meiner Nähe zum Volk, Stil Aufreißerin für elegante Männer an der Rive gauche, zum sofortigen Verzehr, denn das wahre Leben spielt sich auf Ihrem Schreibtisch ab. Lieben sie mich nicht wegen meines Manuskripts, lieben sie mich wegen meines gehaltvollen Innenlebens. He Atala, ganz ruhig. Ich bin schließlich viel zu gestreßt, das ist wohl nicht der Tag, an dem man an seine schönen Beine denken und einen Strumpf auf dem Teppich verlieren sollte. Dies ist bestimmt der wichtigste Tag in meiner bescheidenen Existenz und ich werde nicht alles aufs Spiel setzten mit einem zwar unwiderstehlichen, aber ganz und gar unbequemen Aufzug. (o, ja! Ein Miniminirock ist ein unbequemer Aufzug). Ich werde in Jeans gehen. Nicht mehr und nicht weniger. In meiner alten 501, zehn Jahre alt, im Faß gereift, stone washed mit Kupfernieten und dem roten Etikett auf der rechten Hinterbacke, die meine Form und meinen Geruch angenommen hat. Meine Vertraute.

Ich habe aber doch etwas Mitgefühl für den eleganten und brillanten Herrn, der meine Zukunft in seinen schlanken Fingern hält (gebe ich sie raus? gebe ich sie nicht raus?), Jeans wären ein wenig heftig, das muss ich zugeben.

Oh, was für Sorgen, was für Sorgen.

Okay, ich habe mich entschieden. In Jeans, aber mit berauschenden Dessous. Aber die wird er doch gar nicht sehen, werden sie mir vorhalten. Tatatata, nicht mit mir, man kommt nämlich nicht so ohne weiteres in die höchste Verleger-Etage, ohne eine besondere Begabung beim Aufspüren feinster und noch so unwahrscheinlicher Dessous zu haben. Nein solche Männer wissen Bescheid......natürlich wissen sie Bescheid.

Ich habe voll zugeschlagen, kann Ihnen versichern, (das Paket zahlbar mit zwei Schecks), ich habe ein Set aus Slip und Büstenhalter gewählt, etwas total Abgehobenes. Mein Gott. Superware, Superstoff, Superschnitt, alles in  elfenbeinfarbener Seide mit Spitze aus Calais, bitte schön handgefertigt von kleinen französischen Arbeiterinnen, sanft, hübsch, wertvoll, zart, unvergesslich, Stil: zergeht auf der Zunge, aber nicht in der Hand.......

Schicksal, hier bin ich!