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“Liebesleben“ Zeuya Shalev

Wenn dir “Das sterbende Tier“ so gut gefallen hat, dann lese doch mal “Liebesleben“ von Zeruya Shalev, so eine Freundin zu mir. Ich muss sagen, das Buch ist klasse und ich kann es nur jedem weiter empfehlen. In der gleichen Ich-Form wie bei Roth´s sterbenden Tier, wird hier die Geschichte einer sexuell abhängigen Frau zu einem älteren Mann, Liebhaber beschrieben, aber diesmal aus der Sicht der Frau.

 

Inhalt

Die Begegnung mit Arie, einem alten Freund ihres Vaters, wirft das Leben der Ich-Erzählerin Ja àra aus der Bahn. Vom ersten Moment an verfällt sie der erotischen Anziehungskraft des ebenso rätselhaften wie tyrannischen Egozentrikers. Ja àra erlebt eine bedingungslose, obsessive und demütigende Liebesbeziehung, die sie dazu bringt, auf alles zu verzichten, was ihr Leben bisher ausgemacht hat: ihre Ehe, ihre Karriere, ihre Vorstellungen von Treue und Anstand.

Zeuya Shalev erzählt eine Liebes- und Leidensgeschichte. Aber indem sie das tut, ruft sie uns wieder ins Gedächtnis, was wir fast über allem Herz-, Schmerz und Happy-End-Kitsch, der täglich via Bildschirm über uns hereinbricht, fast vergessen haben: Happy-End´s sind Lügen. Liebe ist kein Weltheilmittel. Liebe ist eine durch und durch assoziale Kraft, sie schert sich den Teufel um gesellschaftliche Konventionen und sittlichen Normen und mit der Vernunft liegt sie seit eh und je im Clich.

 

Pressestimmen

“Ein grandioser Roman – Zeruya Shalev wird literarische Moden überdauern, Dafür sprechen ihre Klugheit, ihr erzählerisches Raffinement und ihren Mut, das menschliche Leben als das in den Blick zu nehmen, was es ist: Ein Rätsel und ein Tanz auf dünnem Eis.“

Eckhard Fuhr, Die Welt

“Zeruya Shalev redet und überredet, blufft und verblüfft und läßt uns am Ende doch ungläubig darüber staunen, wie rein und sauber die Luft ist nach einem solchen Erzählgewitter.“

Reingard Baumgart, Die Zeit

“Dieser Roman gehört überhaupt zum Besten, was ich in den letzten Jahren gelesen habe“

Marcel Reich-Ranicki

Leseprobe

“Wie konnte ich ihn wiedersehen, ich war sicher, nur wenn ich ihn wiedersah, würde ich mich von ihm befreien können, und ich trieb mich überall herum, wo ich ihn zufällig treffen könnte, ich ging bei dem Laden vorbei, die Schaufensterpuppe trug schon einen dicken Wintermantel, ich stieg wieder und wieder die Treppe zu meinen Eltern hinauf, rannte mit klopfendem Herzen in das dämmrige Wohnzimmer, wie ruhig hatte er hier, bewirtet von meinem nervösen Vater, in dem großen Sessel gesessen, hatte das Zimmer mit seinem Rauch erfüllt, wie einfach war es gewesen, ihn zufällig zu treffen, ohne Anstrengung, ohne Absicht, und jetzt kam mir alles so hoffnungslos vor, nie wieder würde er die nassen Stufen hinaufsteigen und auch nie wieder vor dem glänzenden Spiegel hin und her gehen und zufrieden seine Rückseite betrachten.“

“...denn ich hatte etwas verloren, dort in der engen Umkleidekabine, ich hatte einen Schatz verloren, von dem ich überhaupt nicht gewußt hatte, daß ich ihn besaß, das Nichtwissen, wie es ist, wenn man Feuer schluckt, denn jetzt, wo ich es wußte, verspürte ich einen schrecklichen faden Geschmack, weil alles, was weniger war als das, mich nicht mehr begeistern konnte.“

“...meine Welt in Aufruhr, und ich wußte nicht, wie ich sie beruhigen sollte...ich würde es immer ableugnen und am Schluß würde die Lüge die Wahrheit verdrängen.“

“..und auf dem ganzen Weg bis zur Haltestelle verfluchte ich erst ihn und dann mich, wie hatte ich mich so irren können, wie hatte ich ihn nicht so sehen können, wie er war, warum hatte ich nicht kapiert, daß er von meiner Abhängigkeit von ihm abhängig war, daß dies das einzige war, was er von mir wollte!“